Poaah. Also zuletzt hab ich mit gedacht, dass ich es wenigstens einmal im Monat schaffe etwas zu schreiben hier, aber jetzt siehts so aus, dass ich selbst das nicht schaffe. Locker zwei Monate vergangen seit meinem letzten Blogeintrag...
Was ist alles passiert seit dem?
Nun, das wichtigste für mich persönlich ist am zweiten Weihnachtstag passiert, nämlich mein Entschluss mit dem Rauchen aufzuhören. Eigentlich hatte ich ja den Vorsatz mit dem Rauchen aufzuhören, wenn mir meine Zigarillos ausgehen. Das passierte schon knapp einen Monat nach unserem Umzug und hab ich ziemlich genau drei Stunden ausgehalten und dann angefangen Tabak zu drehen.
Als wir (Florian und ich) keinen Tabak mehr hatten - hier in Kapverden gibt es regulär keinen zu kaufen - hab ich angefangen Filterzigaretten zu rauchen. Und von den Dingern hatte ich mich eigentlich schon vor Jahren verabschiedet. Die Kosten spielten für mich kaum eine Rolle, da eine Packung etwas mehr als 1,60 EUR kostet und also wesentlich günstiger als in Deutschland ist, wohl aber meine Gesundheit. Ich hatte nämlich in den letzten Wochen häufig ein unangenehmes Gefühl in der Herzgegend, manchmal leichte Schmerzen, vor allem in Ruhephasen. Vor unserer Abreise hatte ich noch einen EKG machen lassen, der soweit in Ordnung war, unangenehm waren mit die Beschwerden aber trotzdem sehr. Und hätte ich nicht den Vorsatz älter als mein Vater zu werden, der sich mit 52 von dieser Welt verschiedet hat, dann wärs mir wohl trotzdem egal gewesen. So wurde mir aber bewusst, dass ichs besser sein lassen sollte.
Gesagt getan, hab ich dann am 26.12. aufgehört mit der Pafferei. Der körperliche Entzug ist wirklich ein Witz gewesen. Da frag ich mich doch ehrlich was der ganze Quatsch mit Nikotinpflastern, Kaugummies und Medikamenten eigentlich soll. Wenn Du mal 6 bis 8 Stunden nicht rauchst bist Du quasi clean. Also lächerlich das ganze.
Aber dann die Psyche. Der innere Schweinehund, der Giffel. Huiiii. Ich habe ja seit je her ein Problem mit Unfreiheiten. In diesem Fall wurde mir mal ganz klar bewusst, wie unfrei ich eigentlich bin und dass mir mein eigenes Hirn andauernd einen Streich spielt und nach einer Zigarette verlangt, obwohl ich doch eigentlich gar nicht mehr rauchen will.
Die Schmachtattacken kamen zu Anfang etwa alle halbe Stunde und dauerten 5 bis 10 Minuten. Minuten in denen ich unruhig hin und her lief, anfing etwas zu kochen, oder mir Alkohol einflösste um mich etwas zu beruhigen.
Das Umherlaufen war ziemlich effektiv, aber das Falsche, wenn mich der Schmacht zur Schlafenszeit überfiel. Das Kochen war ein gute Sache. Lenkt ab und resultiert in etwas Essbarem. Dabei gabs allerdings das Problem, dass ich nach dem Essen mit ziemlicher Sicherheit noch mehr Schmacht hatte. Der Alkohol als Beruhigung und Ersatzdroge hatte auch so seine Schattenseiten.
Ich kaufte mir täglich etwa 4-5 Dosen Starkbier, Marke „Pirate“, kochte etwas zum Abendessen und kloppte mir die Dosen nach dem Essen möglichst schnell in die Birne. Die daraus resultierende Trunkenheit nutzte ich um ins Bett zu torkeln und einzuschlafen. Wieder ein Tag rum. Allerdings war meine Laune am nächsten Morgen total im Keller, da konnte auch ein guter Kaffee nicht viel dran ändern.
Diese Phase dauerte etwa eine Woche an. Dann konnte ich auf das Bier verzichten und zu Mentol, bzw. Pfefferminzbonbons übergehen. Als ich den Dingern überdrüssig war kaufte ich mir Zahnstocher. Und die Teile hab ich seitdem dauernd im Mund stecken. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass ich immer saubere Zähne und Zahnzwischenräume habe und beruhigt mich ungemein, weil ich was zwischen den Lippen habe. Allerdings fange ich an mir zu überlegen, dass ich wohl eines Tages einen Zahnstocherentzug machen werden muss.
Jetzt, fast zwei Monate nach meinem letzten Tabakkonsum sind die Schmachtattacken viel weniger geworden - und sie dauern auch nicht mehr so lange an. Und wenn der Giffel kommt, dann weiss ich, dass er nach kurzer Zeit wieder gehen wird. Manchmal bin ich in schlechter mentaler Verfassung und werde trotzdem rappelig, vor allem bei Leerlauf und Langeweile. Das passiert manchmal am Wochenende, wenn wir zuhause sind und Lesen, Musik hören oder einfach nur rumgammeln. Dann hilft eins sehr gut: Zum Strand gehen! Ich hatte vorher schon aufgehört Rauchmaterial zum Strand mitzunehmen (ebenso wie ich zum Kaffee Morgens nie geraucht habe) und so vermisse ich das Rauchen am Strand nicht und mein Gehirn sendet mir keine Rauchzeichen.
Das Wetter ist jetzt im Winter etwas gemässigter hier. Sprich häufig nur 24-26 Grad und das Meer ist rau und kälter als sonst. Wenn es aber nicht bewölkt ist, dann ist es herrlich am Strand! Überhaupt ist so ein Meer und so ein Strand eine tolle Sache. Ich habe mir immer gewünscht am Meer zu leben, nun tu ichs. Und ich weiss was es mir gibt. Es ist immer ein bisschen Urlaub, wenn auch nur für ein paar Stunden. Es entspannt, beruhigt und räumt den Schädel auf. Das kann ich gut gebrauchen, denn die Probleme und Frustrationen im Verein und in unseren Bemühungen die Dinge nach vorne zu bringen werden nicht weniger.
Wir hatten damit gerechnet Probleme zu bekommen. Wir wussten, dass sich die Dinge hier meist nur langsam und kompliziert entwickeln lassen und wir eine Menge Geduld und Ruhe haben müssen. In der Realität ist das aber schmerzhaft. Grade wenn man von Natur aus eigentlich ein eher ungeduldiger Typ ist. Klar, es ist meine Lebensaufgabe Geduld zu lernen. Und wie uns ein ehemaliger Entwicklungshelfer, der schon über 60 ist und hier in unserer Nachbarschaft lebt, bei Gesprächen immer wieder sagt, ist ein Jahr ein Witz und wir müssen noch viel mehr Geduld aufbringen. Das alles ändert aber wie gesagt nichts an dem Schmerz, den ich spüre bei all der Zähflüssigkeit.
Das Leben hier ist ein langer, sehr langsamer Fluss. Und unser Floß, der Verein, droht immer mal wieder zu kentern aufgrund von finanziellen Engpässen. Z.B. haben wir im Dezember eine Internetrechnung über 1.500 Euro. Diese Summe ist entstanden durch die exzessive Nutzung unseres „kostenloses Internet“ Angebots im Zentrum. An den zur Zeit acht Rechnern sassen Rund um die Uhr junge Kreolen und surften was das Zeug hielt. Die Entdeckung der grossen Videoportale und Social Networks in Verbindung mit einer Praktikantin die bei Skype die Videofunktion anscheinend mehrere Stunden täglich nutzte trieb den Traffic gleich in ungeahnte Höhen und damit auch die Kosten, denn wir zahlen auf Volumenbasis. Florian konnte allerdings in Praia bei der Telecom ein 50% Sponsoring heraushandeln, das nun auf sein Eintreten wartet... Die Rechnung bleibt davon aber unberührt und musste irgendwie gezahlt werden, komme was wolle, denn sonst wären auch wir im Büro offline gewesen. Und das ist nur eins von vielen vielen Beispielen.
Ab und zu filme ich mal ein bisschen was mit der Videocam, die unsere Praktikantin Petra zur Zeit dabei hat, wie z.B. bei dem von Marisa organisierten Batuku Festival Anfang Dezember. Zum Jahrestag der Gründung von Delta Cultura sind mehr als 14 Gruppen nach Tarrafal gekommen und haben das Dorf abgerissen. Jenni's und mein bescheidener Vorbereitungsteil der Veranstaltung war das Erstellen einen kleinen Ausstellung. Hier sind ein paar Clips von den Auftritten von den Batukadeiras Delta Cultura und den Fidjus di Delta.
Seit dem ist aber natürlich noch viel mehr passiert... Es war Santo Amaro in Tarrafal, das grösste Fest hier mit viel Musik, Essen und Trinken und allem was dazu gehört und unser Verein hatte Besuch von Didi Constantini, dem Österreichischen ehemaligen Nationalfussballspieler und Trainer, der gemeinsam mit seinem Bruder Germar und Sammy Glatz für zwei Wochen unsere Fussballschule unterstützte. Sicherlich ein absolutes Highlight. Ich hoffe, dass uns unsere Freundschaft, die wir zu den dreien entwickelt haben auch in Zukunft noch eine Menge cooler Sachen bringen wird.
Heute ist Dienstag, und ich habe die letzten zwei Tage am Strand verbracht. Jetzt sind die Wellen genau so wie ich sie liebe. Nicht zu klein, und nicht zu gross, mit einem geilen Shorebreak. Ganz genau so, dass man sie auch ohne Brett gut nehmen kann. Da das Wasser auch nicht zu kalt ist und am Sonntag die Sonne anständig schien, war ich kaum mehr aus dem Wasser zu bekommen.
Am Montag Abend, als wir nach Hause kamen und grade unser Abendessen zubereiteten, machte sich Schnasi, unsere Katze, bemerkbar und uns war klar was diese Art nur bedeuten konnte: „Ich werfe gleich!“. Schnasi und Sox wohnen nämlich schon seit einiger Zeit wieder bei uns Zuhause und nicht im Centro. Wieso es dazu kam war eigentlich ziemlich absurd, aber kurz gesagt: Immer wieder schaffte es Jemand die Katzen im Büro einzusperren Abends, weshalb sie ihr Geschäft dann im Büro machten - was wiederum zu Unmut seitens der Projektleitung führte. Nach dem hundersten mal „so kann es nicht weitergehen mit den Katzen“ von Florian reichte es mir dann und wir packten die beiden Racker ein und brachten sie wieder zu uns nach Hause. Vorher war Schnasi aber einige Zeit unterwegs gewesen und zwar in ihrer rolligen Phase. Schnell stellte wir nach ihrer Wiederkehr fast: sie ist schwanger.
Gestern war es also dann soweit: um ca. 19 Uhr platzte ihre Fruchtwasserblase und die Wehen setzten ein. Vier Junge hat sie geworfen, drei weisse, eine schwarze. Getauft haben wir sie (in Reihenfolge ihrer Geburt): Sid, Betty, Uno, Duo. War schon sehr faszinierend, die ganze Geburt mitzuverfolgen. Ging eigentlich ziemlich flott - um 21 Uhr war das ganze schon passiert und Schnasi legte sich erschöpft auf die Seite und die Kids hingen an ihren Zitzen:
Schnasie mit Nachwuchs, kurz nach der Geburt.
Die Kleenen am nächsten Tag nach der Geburt. V.l.n.r.: Betty (kaum zu erkennen, da pechschwarz), Duo, Uno, Sid (ganz unten).
Soweit mal wieder ein kleiner Zwischenbericht von mir. Gäbe noch vieeeeel mehr zu erzählen diesmal, aber (ob Du's glaubst oder nicht), die Zeit ist knapp, viel um die Ohren grade!